BFD bei Animal Equality: „Das Wort „Dienst“ beschreibt es nicht richtig, dafür hat es zu viel Spaß gemacht." | Animal Equality Germany

BFD bei Animal Equality: „Das Wort „Dienst“ beschreibt es nicht richtig, dafür hat es zu viel Spaß gemacht."

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Vor etwa einem Jahr hat Meret aus Hannover ihren Bundesfreiwilligendienst (BFD) bei Animal Equality beendet. Neun Monate lang war sie ein liebgewonnenes Mitglied des Teams gewesen. Wir haben mit Meret gesprochen: über ihre Erfahrungen, die Kochkünste ihrer Kolleginnen und Kollegen und ob sie einen BFD weiterempfehlen würde.

Sag mal, Meret, was hat dich dazu bewogen, einen Bundesfreiwilligendienst anzutreten?

Die Bewerbung war damals tatsächlich eine ziemlich spontane Entscheidung. Ich stand gerade zwischen einem abgebrochenen Studium und Bewerbungen für ein neues. In der Phase habe ich recht viel über Veganismus gelesen, mir viele Recherchen und Dokus reingezogen. Tierrechte waren für mich schon länger Thema, aber als ich dann wirklich die Zeit hatte, mich intensiver damit auseinanderzusetzen, hat mich das ganze Ausmaß einfach umgehauen. Schwarz auf weiß die Zahlen der Tiere zu lesen, die jedes Jahr geschlachtet werden, hat in mir so ein Gefühl der Dringlichkeit ausgelöst. Es kam mir so lächerlich vor, mit 19 Jahren an der Wahl eines Berufsweges zu verzweifeln, während im selben Moment so unfassbar viele Tiere wie Waren behandelt werden. So kitschig das auch klingen mag: Es hat sich fast wie eine Pflicht angefühlt, aktiv zu werden.

Ich wusste anfangs allerdings nicht so recht, wie ich denn nun was bewirken könnte. Heute weiß ich, wie viele Gruppen und Möglichkeiten es gibt. Das war zunächst aber ganz anders.

Der BFD kam da irgendwie perfekt. Die Aufgaben und Anforderungen klangen nach etwas, wo ich dachte, das krieg ich hin, das könnte sogar voll mein Ding sein. Ausschlaggebend war aber, dass ich Fan von der Arbeit von Animal Equality war (und bin). Ich hatte mir ursprünglich gar nicht vorgenommen, einen BFD zu machen, sondern eher nach konkreten Stellen oder Praktika im Bereich Tierrechte gesucht.

Und wie kamst du auf Animal Equality?

Zum ersten Mal habe ich von Animal Equality über Facebook erfahren. Da ging es um eine Recherche über Edekas Markenfleischprogramm „Gutfleisch“ . Von da an hat sich Animal Equality zu einer Organisation für mich entwickelt, von der ich sagen konnte: die machen gute Arbeit.

Von wann bis wann ging dein Bundesfreiwilligendienst und was waren deine Aufgaben?

Ich war von Dezember 2016 bis August 2017 dabei. Meine Stelle war dabei aufgeteilt in Online-Redaktion und Kampagnenarbeit. Online-Redaktion bestand viel aus Internetrecherche zu bestimmten Themen, Verfassen von Webseitenartikeln, Übersetzungen, Unterstützung bei aktuellen Online-Kampagnen, aber auch Entwicklung von eigenen Ideen. Ich finde es wirklich bemerkenswert, dass ich als Bundesfreiwillige als vollwertiges Teammitglied behandelt wurde und jederzeit eigene Ideen mit einbringen konnte.

Die Kampagnenarbeit hat mich mehr als positiv überrascht. Ich kannte Straßenaktivismus bis dahin nur von der anderen Seite. Für mich hieß das: böse gucken, beschäftigt tun, großen Bogen laufen, bloß nicht angelabert werden, Kopf schütteln, wenn der Flyer ins Gesicht gehalten wird. Und jetzt war ich diejenige, die auf Menschen zugehen musste, um sie über Massentierhaltung zu informieren. Das Verrückte war: anstatt hasserfüllte Blicke zu ernten, kamen die Leute freiwillig auf mich zu. Das lag natürlich nicht an mir, sondern an iAnimal. Ob auf der Straße, auf Messen, im Landtag oder sogar im EU-Parlament – ich habe mit dem Virtual-Reality-Projekt und den Zuschauerinnen und Zuschauern stets positive Erfahrungen gemacht.

Und wie waren deine Kolleginnen und Kollegen so?

Humorvoll! Das sind wirklich alles Menschen, die man einfach mögen muss. Und der Zusammenhalt ist wirklich verrückt, auch was das internationale Team angeht. Es respektieren sich nicht nur alle gegenseitig, sondern es hat wirklich schon etwas Familiäres irgendwie. Und alle brennen total für ihre Arbeit. Ich hätte mir wirklich keine besseren Kolleginnen und Kollegen vorstellen können.

Im Büro wird ja jeden Tag gekocht. Wer ist deiner Meinung nach am Begabtesten in der Küche? Jetzt darfst du’s ruhig sagen...

Das ist glaube ich eine der schwierigsten Fragen, die mir je gestellt wurden. Ich werde wahrscheinlich nie wieder in meinem Leben so gut essen, wie während meiner Zeit bei Animal Equality. Es gab einfach nichts Besseres als morgens in die Büroküche zu gehen, einen riesigen Berg an Brokkoli und Tofu zu sehen und zu wissen, dass es zum Mittag das beste Curry der Welt geben wird (props Eva). Es ist absurd, wie selbstkritisch Till das beste Bandnudelgericht betrachtet, oder wie Katha auf Komplimente für ihre Rotweinsauce (keine Ahnung wie man das Gericht nennt, was sie aufgetischt hat) mit „Eeecht?!“ reagiert, als hätte sie uns gebackene Schuhsohlen serviert. Aber dann natürlich auch Veras Quinoasalat… Ich würde gerne mit einer Gegenfrage antworten: Würdet ihr die Menschheit bitte mit einem Büroteam-Kochbuch bereichern?!

Hör auf, wir werden alle rot... Schnell Themenwechsel: War denn der Bundesfreiwilligendienst für dich gut machbar?

Mehr als das! Das Wort „Dienst“ beschreibt es eigentlich nicht richtig, dafür hat es einfach zu viel Spaß gemacht. Leicht war die Arbeit dabei allerdings nicht immer. Ich bin oft abends (vor allem nach langen iAnimal-Aktionen, wie zum Beispiel auf der re:publica) nur noch erschöpft ins Bett gefallen. An anderen Tagen bin ich nach Hause gekommen und die Gedanken kreisten noch immer um einen Artikel oder wie ich Dinge vielleicht hätte besser umsetzen können, oder ich habe bis spät nachts mitgefiebert, wie eine aktuelle Recherche-Veröffentlichung ankommt. Obwohl mein BFD nicht sonderlich lang war, würde ich dennoch sagen, dass es alles andere als ein 9 to 5 Job war. Das liegt natürlich aber auch an dem, was man verändern will. Mir wurde aber zu keinem Zeitpunkt von jemand anders als mir selbst Druck gemacht, nie suggeriert, ich müsse noch mehr Zeit investieren.

Wie war die Reaktion von Freunden und Familie?

Gemischt. Da ich selbst auf einem Hof aufgewachsen bin, auf dem Hühner zur Produktion von Eiern gehalten wurden, haben meine Eltern das, denke ich, zunächst als Angriff auf sie persönlich verstanden. Das hat sich aber im Laufe des Freiwilligendienstes entspannt. Hingegen fanden es aber auch einige Freundinnen selbst fast genauso aufregend wie ich, da sie auch die Arbeit von Animal Equality bewundern.

Würdest du anderen Menschen einen Bundesfreiwilligendienst bei Animal Equality empfehlen?

Zu 120 Prozent! (Hab ich auch schon.)

Das ist ja lieb! Was ist dir denn in besonders schöner Erinnerung geblieben?

Das Seminar auf dem Erdlingshof! Das war wirklich kitschig-schön. Aber auch so viele Gespräche bei iAnimal-Aktionen, nach denen ich gemerkt habe: Es ist den Leuten nicht egal, niemand findet es gut, wie Tiere in der Industrie behandelt werden. So viele wollen, dass sich was verändert und sind auch bereit, bei sich selbst anzufangen.

Liebe Meret, wir danken dir von Herzen, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast und für dein enormes Engagement für die Tiere. Wir wünschen dir alles Gute für dein Studium und hoffen, dass du uns bald mal wieder besuchst. Wir kochen auch was Leckeres – versprochen!