„Ich möchte, dass mit meiner Spende möglichst viel Gutes erreicht wird“ | Animal Equality Germany

„Ich möchte, dass mit meiner Spende möglichst viel Gutes erreicht wird“

Deutschland

 

Es gibt viele Wege, heldenhaft für Tiere zu sein. In unserer aktuellen Frühjahrsaktion suchen wir die „heldenhaften Hundert“: 100 neue Mitglieder, die die Arbeit von Animal Equality durch ihren Beitrag erst möglich machen. Aber auch die Aktion selbst hat ihre Helden: Luis Hanemann spendet gemeinsam mit zwei weiteren Tierfreunden für jedes neue Mitglied zusätzliche 100 Euro an Animal Equality.

 

Herr Hanemann, warum haben Sie sich zu dieser großzügigen Unterstützung entschlossen?

Einerseits hat mich ein empfehlenswertes Buch mit dem vielsagenden Titel „The most good you can do“ dazu inspiriert. Dieses Werk hat meine Entscheidung, Animal Equality zu unterstützen, stark beeinflusst. Andererseits war es aber auch meine Schwester: Sie ist Tierrechtlerin, Veganerin und Philosophiestudentin – und sie hat mir Animal Equality als Organisation mit großer Wirkung ans Herz gelegt. Trotzdem wollte ich sichergehen, dass Animal Equality tatsächlich so gut und wirkungsvoll arbeitet. Also habe ich mich bei unabhängigen Gutachtern informiert, und zwar bei Animal Charity Evaluators. Da eure Organisation dort als eine der besten im Bereich Tierschutz und Tierrechte aufgelistet wird, war für mich klar, dass ich einen signifikanten Impact erreiche, wenn ich an euch Geld spende.

Spenden ist für Sie also nicht nur eine Herzenssache, sondern auch eine ganz rationale Überlegung?

Neben der emotionalen Seite einer solchen Entscheidung lautet für mich immer die Frage: Was kann ich mit dem Geld erreichen? Wenn ich zum Beispiel 100 Euro spende, denke ich ganz ähnlich, als würde ich irgendwo 100 Euro investieren. Nur dass es in diesem Fall eben kein Gewinn, sondern eine maximale Wirkung ist, die ich durch eine Spende erreichen kann.

Sie selbst sind Experte in Sachen Investition: Sie sind Firmengründer und heute Partner bei e.ventures, einem Unternehmen, das in Startups investiert. Warum aber ist die ausgewiesene Effektivität einer Non-Profit-Organisation in Ihren Augen so wichtig?

Weil aus meiner Sicht im gemeinnützigen Bereich generell vieles nicht optimal läuft. Sehr viele Menschen wollen an sich Gutes tun. Aber leider landen viele als Mitglieder oder Spender bei Organisationen, die zwar sicherlich auch Gutes wollen, aber eben nicht effektiv umsetzen. Und so fließt all diese Unterstützung nicht dahin, wo sie so viel erreichen könnte, wie wenn sie an die „richtigen“ Organisationen ginge. Deswegen suche ich besonders nach Organisationen, die von externen, unabhängigen Dritten nach Effektivitätskriterien bewertet werden.

Und gerade, wenn man einer effektiven Organisation wie Animal Equality spendet oder dort Mitglied wird, kann man auch mit kleinen Summen schon enorm viel erreichen.

Es gibt Rechnungen von einem renommierten Oxford-Professor, die aufzeigen, dass eine Spende an eine wirkungsvolle Organisation im Vergleich mit einer anderen „klassischen“, auch großen, etablierten Organisation rund 80 mal mehr bewirkt. Wenn ich einem der altbekannten Vereine etwa 100 Euro spende, dann passiert damit für gewöhnlich etwas im Wert von 100 Euro. Wenn man aber besagter Rechnung folgt, dann passiert mit meiner 100-Euro-Spende an Animal Equality etwas im 80-fachen Wert davon – letztlich also im Wert von 8000 Euro. Und wenn ich auch nur 10 Euro spende, hat das einen Wert von 800 Euro.

Ich möchte zum Nachdenken anregen: Wie kann man Gutes tun, wie spendet man richtig? Ich kann Plattformen wie Givewell.org oder Animal Charity Evaluators sehr empfehlen, die Transparenz in den Spendenprozess bringen.

 

Warum möchten Sie sich insbesondere für Tiere einsetzen?

Tatsächlich geht es mir gar nicht nur um den Tierschutz, sondern auch um Projekte, die sich dem Klimawandel widmen, oder die insgesamt etwas dafür tun, das Leben von Menschen zu verbessern. Ich spende zum Beispiel auch an GiveDirectly, die extrem armen Menschen in Afrika mit direkten Geldüberweisungen ganz unbürokratisch helfen. Aber ich bin überzeugt, dass wir Tieren helfen müssen, weil diese Gefühle und Empfindungen haben wie wir Menschen auch. Und dies sollten wir respektieren – was insbesondere die Massentierhaltung missachtet. Ich glaube, jeder, der sich auch nur ein bisschen mit Nutztierhaltung beschäftigt hat, weiß, dass hier etwas im Argen liegt. Ich kenne niemanden, der sagt: ‚Oh ja, Massentierhaltung ist eine tolle Sache, da bin ich großer Unterstützer.‘ Trotzdem sind wir sehr gut darin, diese Zustände in der Massentierhaltung zu verdrängen. Und solches Verdrängen halte ich für absolut falsch. Wenn etwas so offensichtlich schlecht ist, sollte man etwas dagegen unternehmen. Und selbst Menschen, denen Tiere egal oder einfach nicht so wichtig wie andere Menschen sind, sollten aus Eigeninteresse gegen die Zustände in der Massentierhaltung aktiv sein. Bestes Beispiel für solches Eigeninteresse: die Gefahren durch den ausufernden Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung.

Wenn Sie sich für Spenden entscheiden, zählt also vor allem auch, wie sehr der Schutz von Tieren, Menschen, Klima und Umwelt zusammenhängt?

Ja. Und zugleich stelle ich mir immer wieder die ethische Frage: Dürfen wir Tiere so behandeln, wie es sich in der Nutztierindustrie etabliert hat? Mit der Verteidigung, sie seien nicht so intelligent wie wir und hätten deswegen keine Rechte? Oder müssten wir nicht vielmehr sagen: ‚Naja, Tiere sind vielleicht nicht so schlau wie wir, aber trotzdem genauso schützenswert und sollten Freiheit genießen‘? Und da komme ich immer wieder zu derselben Erkenntnis.

Herr Hanemann, wir bedanken uns ganz herzlich für das Gespräch und für Ihre Unterstützung!