Hitzequal in Tiertransporten

Hitzequal in Tiertransporten

Deutschland
Obwohl im heißen Sommer 2018 die zulässigen Transporttemperaturen von 30 Grad Celsius vorhersehbar überschritten wurden, fuhren zahlreiche Transporter mit Tieren aus Deutschland in Staaten außerhalb der EU. Die Landestierschutzbeauftragten sprechen von Tierquälerei.

Tiertransporte in Länder außerhalb der EU gehören zu den grausamsten Geschäften in der Tierindustrie. Die Tiere leiden unter Nahrungs- und Wassermangel und müssen oftmals stunden-, sogar tagelang an den Grenzen in den engen Transportern ausharren - auch bei extremen Temperaturen. Die Landestierschutzbeauftragten schlagen nun Alarm.

Obwohl im heißen Sommer 2018 die zulässigen Transporttemperaturen von 30 Grad Celsius vorhersehbar überschritten wurden, fuhren zahlreiche Transporter mit Tieren aus Deutschland in Staaten außerhalb der EU.

Allein über die türkisch-bulgarische Grenze fuhren im Juli und August 2017 und Juli 2018 210 Transporte: an Bord rund 7500 Rinder, wie es in einer aktuellen Pressemitteilung des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt heißt. Die Außentemperaturen wurden für diese Tiere zur teilweise sogar tödlichen Qual: Bei 186 Transporten standen die Tiere in Innenraumtemperaturen von bis zu 49 Grad Celsius!

Eine Klimaanlage gibt es an Bord der Langstreckentransporter für gewöhnlich nicht. So sei bereits bei der Transportplanung damit zu rechnen gewesen, dass die Rinder erheblichen Leiden ausgesetzt sein würden, heißt es in der Pressemitteilung des Ministeriums.

„Tiertransporte in Drittländer sind generell abzulehnen”

„Solches Leid auf Tiertransporten, wie es in diesem Jahr vorgekommen ist, darf sich nicht wiederholen”, so Sachsen-Anhalts Tierschutzbeauftragter Dr. Marco König dazu. „Tiertransporte in Drittländer sind generell auch abzulehnen, wenn die Tiere am Zielort voraussehbar unter tierquälerischen Bedingungen behandelt und geschlachtet werden.“

Wie die Landestierschutzbeauftragten betonen, sind nach deutschem Strafrecht im Inland begangene Beihilfen an einer im Ausland stattfindenden Tierquälerei strafbar - auch dann, wenn die Tat im Ausland selbst nicht strafbar ist.

Der Appell der Tierschutzbeauftragten an die zuständigen Ministerien ist gleichermaßen direkt: Sie müssten sicherstellen, dass bei erwarteten Temperaturen über 30 Grad Celsius keine Transporte bewilligt werden.

Obwohl derzeit Anträge von den Grünen und der FDP vorliegen, die Vorgaben für Tiertransporte zu verschärfen, hatte erst vor wenigen Tagen die Große Koalition diese Anträge abgelehnt: Wenn überhaupt, müsse dies auf EU-weiter Ebene geregelt werden, wie es von Seiten der CDU/CSU-Fraktion hieß.