EU verurteilt Deutschland: Gülle vergiftet Böden und Gewässer | Animal Equality Germany

EU verurteilt Deutschland: Gülle vergiftet Böden und Gewässer

Berlin
Deutschland
Deutschland verletzt massiv EU-Recht, wie der Europäische Gerichtshof in Luxemburg heute geurteilt hat. Der Grund: Die deutsche Landwirtschaft wirft so viel Gülle auf den Acker, dass Böden und Wasser stark mit Nitraten belastet sind. Und die Bundesregierung tut zu wenig dagegen.

Wo viel Massentierhaltung, da viel Gülle. So ist es auch hierzulande: Die deutsche Agrarindustrie kippt jährlich gigantische Mengen an Gülle aus der Tierhaltung auf die Äcker – um zu düngen, aber auch, weil keiner wirklich weiß, wohin mit all dem Dreck. Bereits 2016 hatte die EU-Kommission deswegen Klage erhoben. Denn zu viel Gülle bedeutet, dass die Böden und so auch die Gewässer mit Nitraten verseucht werden: eine Gefahr für die Umwelt, insbesondere für Fische, aber auch für die menschliche Gesundheit.

Am Donnerstag, 21.06.18, urteilte der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg, dass Deutschland bzw. die deutsche Bundesregierung nicht genug gegen diese immense Nitratbelastung unternommen hat – und seine Gewässer nicht ausreichend schützt. Über dieses blinde Inkaufnehmen von Gewässerverschmutzung durch die Landwirtschaft hatte die EU-Kommission bereits jahrelang zuvor die Bundesregierung ermahnt.

Ein solcher Verstoß gegen die europäische Nitrat-Richtlinie kann finanziell schmerzhafte Folgen haben: Zwar legte das Verfahren noch keine Strafzahlungen fest, doch genau solche könnte nun die EU-Kommission gegen Deutschland verhängen.

Nitrat tötet Fische und gefährdet Säuglinge

Zwar benötigen Pflanzen Nitrat fürs Wachstum. Doch die ungeheuren Mengen an düngender Gülle, die die Landwirtschaft den Feldern und Böden zumutet, führt zu einem wahren Nitratstau: Viele Pflanzen sterben, anstatt besser zu wachsen, die Artenvielfalt geht zurück, und wenn das Nitrat in Bächen, Flüssen und im Meer ankommt, sterben die Fische. Denn Nitrat fördert explosives Algenwachstum - und das Wasser „kippt“. Die Fische ersticken im eigenen Element.

Auch für den Menschen kann Nitrat zum Problem werden: Im Körper wird der Stoff zu Nitrit umgewandelt, möglicher Auslöser von Durchblutungsstörungen. Bei hohen Nitratkonzentrationen stehen Säuglinge in der Gefahr, „Blausucht“ zu entwickeln, eine Hemmung des Sauerstofftransports durch die roten Blutkörperchen. So kann Blausucht durch Sauerstoffmangel zum inneren Ersticken führen.

Aber auch Krebs kann eine Folge von Nitriten im Körper sein: Denn beim Verdauungsvorgang bilden sich Nitrosamine. Diese gelten als karzinogen und werden v. a. mit Magen- und Speiseröhrenkrebs in Verbindung gebracht.

Grundwasser: Regelmäßig Grenzwerte überschritten

Die Grenzwerte der EU lauten deswegen für Nitrat: Pro Liter Wasser darf eine Konzentration von 50 mg nicht überschritten werden. Zwar hält unser Trinkwasser diese Grenzwerte bislang ein, doch nicht das Grundwasser: Ein Bericht aus dem Jahr 2016 stellte bei 28 Prozent jener Messstellen erhöhte Nitratwerte fest, die sich in landwirtschaftlich stark genutzten Regionen befinden. Und selbst ab vom „agrarindustriellen Schuss“ waren noch 18 Prozent der Messstellen von Werten über 50 mg betroffen.

Agrarindustrie verhindert Schutz der Gewässer

Zwar hatte die Bundesregierung drei Jahre lang daran gefeilt, das Düngerecht in Deutschland zu verschärfen. Doch Experten halten diese neuen Richtlinien, die seit 2017 in Kraft sind, für keineswegs ausreichend – und für durchlöchert von Ausnahmeregelungen, für die sich der Bauernverband eingesetzt hatte. Ein nachhaltiger Schutz von Gewässer und Böden sei angesichts dieser vielen Ausnahmen und Schlupflöcher gar nicht möglich, urteilt der Agrarwissenschaftler und Düngeexperte Prof. Friedhelm Taube (Uni Kiel) im Interview mit Greenpeace. Alle agrar- und umweltwissenschaftlichen Fachempfehlungen seien missachtet worden.

Bauernverband und Agrarindustrie haben Interesse daran, eine Verschärfung des Düngerechts zu verhindern. Denn eine solche machte die Entsorgung der gigantischen Mengen an Gülle, die in der Massentierhaltung anfallen, erheblich teurer. Statt jedoch die Wurzel des Problems – die Tierfabriken – zu beseitigen oder auch nur die Tierzahlen zu reduzieren, versucht die Branche andere Wege zu gehen: Nachdem etwa im sogenannten „Schweinegürtel“ – die stark durch Schweinemast- und -schlachtanlagen geprägte Region um die Landkreise Cloppenburg und Vechta – Grenzwerte erheblich überschritten wurden, setzt man hier nun auf gigantische Kläranlagen. Es wird, wenn es nach der Schweinemastindustrie in der Region geht, im Landkreis Cloppenburg eine riesige Klärzentrale errichtet, die rund eine Million Kubikmeter Schweinerohgülle aufbereiten soll. Um am Ende möglichst noch mehr Tiere zu züchten, zu mästen und zu schlachten.

Um den Tieren, aber auch Mensch und Umwelt das Leid und den Schaden durch die Tierfabriken zu ersparen, gibt es einen einfachen Weg: pflanzliche Ernährung. Probieren Sie es doch mal aus! Besten Einstieg, tolle Rezepte und allerlei nützliche Tipps erhalten Sie bei: www.LoveVeg.de

 

Quellen:

https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/umweltbelastung-europaeischer-gerichtshof-verurteilt-deutschland-wegen-nitraten/22717774.html?ticket=ST-4307061-zAt7XWCiptGcX36wWkIY-ap2

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/Kritik-an-Plaenen-fuer-Guelleaufbereitungsanlagen,guelleaufbereitung100.html

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/oldenburg_ostfriesland/Die-Spur-der-Schweine,schweine149.html