Kein Suppenhuhn: Happy End für Henne Lisl

Kein Suppenhuhn: Happy End für Henne Lisl

Österreich
Tausende Hennen waren auf dem Weg zum Schlachter, dann wurden sie auch noch in einen Unfall auf der Autobahn verwickelt. Ein Huhn hatte Glück im Unglück.

Dienstagmorgen, 4. Juli: Verstört laufen rund 7500 Hennen auf der österreichischen Autobahn A1 umher. Überall zwischen ihnen liegen Transportkisten – und die Körper toter Artgenossinnen.

Das Unglück ereignete sich gegen 5 Uhr morgens. Der Fahrer des Tiertransporters war nach Sekundenschlaf von der Fahrbahn abgekommen. Das Fahrzeug prallte gegen einen Brückenpfeiler, die rechte Seite riss auf. Die Wucht des Unfalls schleuderte einen Großteil der Käfige, dicht besetzt mit Legehennen, auf die Straße. Viele der Tiere starben. Die Polizei musste die komplette Bahn sperren; 120 Feuerwehrmänner rückten an, um die überlebenden Hennen einzufangen, in Boxen zu stecken und auf neue Transporter zu laden.

Vier Stunden später waren alle toten Hennen beiseite geschafft, alle lebenden zurück in Käfigen. Und der zwanzig Kilometer lange Stau auf der Autobahn löste sich langsam wieder auf.

Danach war viel von der Rettung der Hennen die Rede. Was hätte den Tieren schließlich auf der Autobahn alles passieren können? Tatsächlich jedoch wurden die Hennen anschließend in Richtung ihres ursprünglichen Ziels gefahren: zum Schlachthof.

Inzwischen wurden die Hennen, die am Unfalltag auf der gesperrten Autobahn gackernd umher gestakst waren und sich vermutlich in dieser schrecklichen Situation freier bewegen konnten als je zuvor in ihrem Leben, in einem niederösterreichischen Geflügelschlachtbetrieb getötet. Weil sie als Legehennen „ausgedient” hatten, landen sie nun als Suppenhühner in der Konservenindustrie.

Mit einer Ausnahme.

In dem Chaos konnte sich eine Henne im Unterbau eines Feuerwehrfahrzeugs verstecken. Als „blinder Passagier” fuhr sie so unentdeckt bis nach St. Florian.

Angekommen im Feuerwehrhaus flüchtete die Henne aus ihrem Versteck und in einen benachbarten Garten. „Der Nachbar hat angerufen, dass bei ihm ein wildfremdes Hendl ist, und gebeten, dass wir es einfangen", erzählte Feuerwehr-Chef Roland Winkler.

Das „wildfremde Hendl” hatte Glück: Winklers 74-jähriger Kamerad Georg Windtner nahm das Tier bei sich auf und versprach ihm dort ein lebenslanges Zuhause: „Meine Tochter hat es sofort Lisl getauft. Das Hendl ist zwar noch ein wenig verschreckt, hat aber schon gefressen und getrunken, offenbar fühlt es sich bei mir ganz wohl!"

Wir hoffen, dass Lisl bei ihrem Retter ein glückliches, langes Leben führen kann.

 

 

Doch für fast 32 Millionen Hennen in Deutschland gibt es kein solches glückliches Ende: So viele werden jährlich im Alter von nicht einmal zwei Jahren zu „Suppenhühnern” verarbeitet. Das Legen von Hunderten von Eiern ist eine enorme körperliche Belastung. Sobald ihre Leistung sinkt, werden sie einfach aussortiert und getötet. Hinzu kommen rund 50 Millionen männliche Küken, die jedes Jahr geschreddert oder vergast werden, da sie für die Produktion von Eiern wertlos sind.

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Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von © FOTOKERSCHI.AT/KERSCHBAUMMAYR.