Trotz Protest: Bayerns größte Mastanlage mit 145.000 Hühnern darf gebaut werden | Animal Equality Germany

Trotz Protest: Bayerns größte Mastanlage mit 145.000 Hühnern darf gebaut werden

Bayern
Deutschland
Die Anwohner protestieren, die Umweltverschmutzung ist absehbar groß und die Nitratbelastung enorm: Trotzdem genehmigt Landratsamt in Bayern einen neuen Megastall.

Schon jetzt kommen auf jeden Eschelbacher Einwohner rund 183 Hühner. Für den Betreiber der Geflügelmastanlage sind die 55.000 Masthühner jedoch noch immer zu wenig: 144.600 sollen es zukünftig sein.

8.000 Unterschriften, Petitionsübergabe und Bürgerinitiative: Massiver Widerstand formierte sich, als die Baupläne die größte Mastanlage in Bayern im vergangenen Jahr an die Öffentlichkeit kamen. Dennoch hat nun das zuständige Landratsamt den umstrittenen Bau von zwei weiteren Ställen genehmigt.

Die 300 Bewohner des Dorfes Eschelbach fürchten eine bevorstehende Lärmbelästigung durch den zunehmenden Lastwagenverkehr sowie starken Gestank der riesigen Mastanlage. Viele kritisieren außerdem die Massentierhaltung an sich und können sich nicht vorstellen, dass eine solche Anlage mit fairen Bedingungen für die Mitarbeiter Hand in Hand gehen wird.

 

Der Hühnerbetrieb bedroht die Umwelt

Doch die größten Ängste der Gegner des Baus lauten, dass durch die Erweiterung des Betriebs die Umwelt verschmutzt wird und das Grundwasser gefährdet ist.

Denn die Unmengen an Gülle würden die landwirtschaftlichen Böden extrem mit Nitrat belasten. Solcher Nitratüberschuss im Boden trägt nachweislich zu einem Verlust der Artenvielfalt bei. Der Massentierhaltungsbetrieb stellt somit nicht nur eine Belästigung für die Anwohner, sondern auch eine ernstzunehmende Gefahr für die Biodiversität dar.

Da ein regelmäßiger Einsatz von Antibiotika bei solch riesigen Tierzahlen auf engstem Raum so gut wie unvermeidbar ist, ist außerdem noch anderes zu befürchten: Antibiotikaresistente Keime könnten sich bilden und durch die Lüftungsanlagen in die Umwelt geraten.

Trotz alledem kommentierte Landratsamtssprecher Karl Huber: Der Antragsteller hat einen Anspruch auf Genehmigung. Denn alle Voraussetzungen für den Antrag seien erfüllt. Das Amt hätte ihn außerdem mit zahlreichen Auflagen flankiert.

Weil die Genehmigung jeglichen Protest missachtet, bezeichnete sie die Landtagsabgeordnete Rosi Steinberger (Grüne) als dreist und undemokratisch. Und der Widerstand hält an: Der Bund Naturschutz erwägt derzeit, gegen die Baugenehmigung zu klagen.

Geht man von einer Langmast von 42 Tagen aus, wird dieser einzelne Betrieb in Bayern im Jahr mehr als 1,1 Millionen Hühner mästen und zum Schlachter schicken. Bei einer Kurzmast von 29 Tagen werden es mindestens 1,7 Millionen sein. Um die Größendimension zu verdeutlichen: Das sind mehr Tiere, als in München Menschen leben.

Solche Megabetriebe sind in Deutschland keine Seltenheit. Allein hierzulande werden jährlich rund 600 Millionen Masthühner geschlachtet. Diese Megaställe befinden sich nicht nur in den USA, wo vieles für deutsche Verhältnisse überdimensional wirkt. Sie sind auch bei uns längst Alltag der Nutztierindustrie.

 

 

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