Warum „Star Wars: Die letzten Jedi“ ein echter Tierrechtsfilm ist

Warum „Star Wars: Die letzten Jedi“ ein echter Tierrechtsfilm ist

Deutschland
Chewbacca isst jetzt vegan: Episode VIII zeigt, wie die Macht mit jenen ist, die sich für Tiere einsetzen.

von Katharina Weiss

 

Achtung, Star-Wars-Fans: Dieser Text enthält Spoiler!

In einer weit, weit entfernten Galaxis ... schwört Chewbacca plötzlich dem Fleischessen ab und die Helden der Rebellion bzw. des Widerstands erweisen sich als waschechte Tierbefreier. Wohl alle, die auf Disneys Fortsetzung des wahrscheinlich größten Weltallmärchens aller Zeiten gewartet haben, hatten große Erwartungen – oder auch Skepsis – gegenüber „Star Wars: Die letzten Jedi“. Doch wer hätte schon geahnt, dass Episode VIII mit einer pro-veganen Tierrechtsbotschaft aufwarten würde?

Wir verfassen hier für gewöhnlich keine Filmrezensionen. Aber wenn ein Blockbuster mit einem so starken Plädoyer für ein mitgefühlvolles Mensch-Tier-Verhältnis (okay: Mensch-Alien-Tier-Verhältnis) überrascht, wollen wir das nicht unkommentiert lassen. Wenn Sie sich wie ich für Tiere einsetzen und zugleich Star-Wars-Fan sind, dürften Sie diese drei Szenen in Episode VIII ebenfalls besonders gefeiert haben:

  • Da sitzt Chewbacca, Han Solos bester Freund, auf einer schrecklich einsamen Insel auf einem abgelegenen Planeten fest und versucht sich ein Abendessen zu bereiten – und kann plötzlich kein Fleisch mehr essen, weil ihn das Mitgefühl mit (außerirdischen) Tieren überkommt: den – beinahe unerträglich putzigen – Porgs, einer Art Mischung zwischen Hamstern und Papageitauchern. Ihr Blick haut selbst den größten Wookie aus den Socken: Als Chewie gerade in einen gebratenen Porg beißen möchte, schaut er in die riesigen Augen eines kleinen Porglets, eines „Hamsterpinguinkükens“, und realisiert nicht was, sondern wen er da gerade zu essen ansetzt. Sicherlich ist diese Szene „typisch Disney“, denn sie funktioniert über die – wirklich beinahe unerträgliche – Niedlichkeit dieser Tiere, einer perfekten Merchandise-Schöpfung im Vorweihnachtsgeschäft. Dennoch bringt die Szene der Chewie-Porg-Begegnung jenen Moment auf den Punkt, wie ihn wohl jeder kennt, der plötzlich versteht, dass sich ein fühlendes Tier – ob ein Porg, ein Kalb, ein Schwein oder ein Huhn – hinter seinem Braten verbirgt. Und die Szene dürfte jeden Veganer, der schon einmal mit dem Satz „Aber auf einer einsamen Insel, was würdest du da essen?“ konfrontiert wurde, besonders amüsieren: Gerade auf einer solchen entscheidet sich Chewbacca dagegen, Tiere zu essen.

 

  • Doch auch Unterhaltung auf Kosten von Tieren wird in „Die letzten Jedi“ einer ausführlichen Kritik ausgesetzt. Da befinden sich die zwei Helden des Widerstands Finn und Rose Tico auf dringender Mission in der glamourösen Vergnügungsstadt Canto Bight – und trotz der Dringlichkeit lässt der Film den Figuren die Zeit, sich mit der örtlichen Tierausbeutung auseinanderzusetzen: Dort werden Fathiers, merkwürdig schöne Alien-Rennpferde mit Hyäneneinschlag, über die Bahnen gehetzt. Während Finn zunächst der Begeisterung über Canto Bight und die Fathier-Rennen erliegt, macht ihn seine Begleiterin Rose Tico auf das aufmerksam, was hinter all dem Glamour passiert: Da werden Fathiers geschlagen und ebenso jene Kinder misshandelt, die auf die Tiere aufpassen müssen. Was also liegt näher für die beiden Helden, als bei ihrer Flucht aus der Stadt mithilfe der Kinder gleich noch die ganze Herde Fathiers zu befreien?

 

  • Und auch beim finalen Kampf zwischen Widerstand und Neuer Ordnung sind es Tiere – diesmal weniger niedliche, als vielmehr zauberhaft schöne Vulptexes, Eiskristall-Füchse – die Leia Organas Rebellionstrupp das Leben retten: Wiederum überstehen die Protagonisten die gefährliche Situation, indem sie auf Tiere buchstäblich Rücksicht nehmen. Und diesmal ist diese Rücksicht ihre eigene einzige Rettung.

 

Mancher mag dem Film vorwerfen, dass er die tierlichen Figuren verzerrt, ihre Schönheit ins Extrem übersteigert, ihre Niedlichkeit für billige Effekte nutzt. Doch anders betrachtet, bietet die Exotik der außerirdischen Kreaturen dem Film die Möglichkeit, bei den Zuschauern eine Faszination und Emotion für das Andere, für das Wesen Tier an sich zu fördern – mit dem dann die Protagonisten und Identifikationsfiguren des Films so voller Mitgefühl und Respekt interagieren.

In der Fangemeinde brodelt die Kontroverse um Rian Johnsons jüngste Star-Wars-Fortsetzung. Doch wem Tiere und ihre Rechte am Herzen liegen, der kann dem Charme dieser elegant in die Handlung integrierten Szenen kaum nicht verfallen, die so deutlich eine Lesart zugunsten von Tierrechten provozieren. Zumal dieses mitfühlende und respektvolle Zusammenspiel von Helden und Tieren von jenen Episoden kontrastiert wird, in denen es um Jedi-Meister Luke Skywalker geht, der sich von den Geschehnissen in der Galaxis enttäuscht und trotzig abgewandt hat. Der einst mächtige Luke Skywalker wird in diesem Star-Wars-Teil zunächst keineswegs als Sympathieträger gezeichnet, er ist derjenige, dem alles egal ist und der sich um nichts mehr kümmert, auch nicht um das Leid seiner Freunde, seiner eigenen Familie, der ganzen Galaxis. Luke lebt zurückgezogen auf jener Insel, wo Chewbacca dem Fleischkonsum abschwört: Dort jagt er Fische und melkt die merkwürdigen Thala-Sirenen – Szenen, in denen sich die Hauptprotagonistin und Identifikationsfigur Rey (gespielt von Veganerin Daisy Ridley) angewidert abwendet. Luke Skywalker, der Ignorant, Fischer und Milchbauer? Das wird von „Die letzten Jedi“ nicht goutiert.

Ebenso lässt sich das Ende des Films zugunsten einer starken Tierrechts-Message lesen, wie sie sonst kaum in Mainstream-Kinofilmen zu finden ist: Jene Kinder, die Finn, Rose Tico und den Fathiers zur Flucht verhelfen, werden als die nächste Generation der Helden des Widerstands aufgezeigt – und als die nächsten Jedi. Damit definiert Stars Wars Episode VIII die Jedi als Helden und Hüter der Galaxis über jenen Aspekt, wie ihn all die beschriebenen Filmmomente stark machen: Die Macht ist hier mit denjenigen, die sich auch gegen Tierleid einsetzen, die mit Tieren agieren und nicht gegen ihr Wohl handeln.

Möge die Macht also mit uns sein.