Krank gezüchtet: So leiden Milchkühe | Animal Equality Germany

Krank gezüchtet: So leiden Milchkühe

Deutschland
Für unseren Hunger auf Joghurt, Butter und Käse müssen sogenannte „Hochleistungskühe“ enorme Mengen an Milch produzieren. Doch was bedeutet diese leistungsorientierte Zucht für die Gesundheit der Tiere?

Noch vor 100 Jahren gab eine Kuh im Durchschnitt nicht einmal 2000 Liter Milch pro Jahr. Doch dann kamen neue Techniken auf, wie das Pasteurisieren oder auch der Kühlschrank. Die Folge war, dass die Nachfrage nach Milchprodukten erheblich anwuchs. Und die Kuh musste immer mehr Leistung erbringen.

Heute geben „Hochleistungskühe“ jährlich im Durchschnitt 10.000 Liter Milch: Das sind mehr als 27 Liter am Tag. Kein Wunder, dass diese immense Leistung gesundheitliche Folgen für die Kühe bedeutet. Diese vier Krankheiten sind typisch für die moderne Milchkuh:

 

1. Labmagenverlagerung

Eine Kuh muss ihr Euter mit einer halben Tonne Blut durchspülen, um einen einzigen Liter Milch zu produzieren. Dieser enorme Energieaufwand lässt sich mit Grünfutter alleine längst nicht mehr decken.

Neben Heu, Soja sowie Mais- oder Grassilage sind die hochgezüchteten Kühe mittlerweile vom Kraftfutter regelrecht abhängig. Dieses Kraftfutter wird zusätzlich mit Nährstoffen angereichert und soll dabei helfen, den täglichen Kalorienbedarf zu decken. Paradoxerweise soll das Kraftfutter aber auch die energieaufwendige Milchleistung nochmals steigern.

Das sensible Magensystem der Wiederkäuer ist jedoch nicht auf große Mengen Getreide und Kraftfutter ausgelegt. So kommt es nicht selten zu einer Verlagerung des Labmagens. Das heißt, die Position des Labmagens im Bauchraum verrutscht. Und dies bedeutet für die Kuh starke Schmerzen. In den meisten Fällen muss operiert werden.

 

2. Abnehmende Fruchtbarkeit

Rund 20 Prozent der Milchkühe sind von Fruchtbarkeitsstörungen betroffen. Für die Landwirte stellt dies ein großes Problem dar, denn sie sind auf die Fruchtbarkeit der Kühe angewiesen: Schließlich gibt es sonst keine Kälber, und ohne Kälber keine Milch. Daher werden die Kühe meist mit etlichen Hormonen behandelt.

Die abnehmende Fruchtbarkeit ist häufig auf die Fütterung zurückführbar, weil diese diverse Stoffwechselkrankheiten bei Rindern verursacht.

Eine weitere Ursache für Fruchtbarkeitsstörungen ist das intensive Melken direkt nach der Entbindung des Kalbes. In diesem Zeitraum müsste die Kuh eigentlich geschont werden: Durch das literweise Abpumpen der Milch wird jedoch starker Stress ausgelöst. Dieser führt wiederum zu Zyklusstörungen.

 

3. Euterentzündungen

Trotz riesigen Heubergen und Kraftfutter nehmen die meisten Kühe noch immer zu wenige Kalorien auf, um ihren Bedarf zu decken. So weisen besonders nach der Entbindung viele der Tiere eine ständige negative Energiebilanz auf.

Das Fatale: Das Immunsystem der Tiere ist dadurch so geschwächt, dass sie Krankheitserreger kaum noch abwehren können.

So kommt es vor allem in den ersten vier bis sechs Wochen nach der Geburt des Kalbes beim Muttertier häufig zu einer schmerzhaften Entzündung des Euters, der sogenannten Mastitis.

Diese wird oft von gefürchteten Erregern wie dem Staphylococcus auresus oder E. Coli ausgelöst.

Das Perfide: Gerade das Melken - ob durch die Melkerhände oder die Ausrüstung - ist ein typischer Infektionsweg für Mastitis-Erreger.

 

 

 

 

 

4. Klauenentzündungen

Anfällig für Entzündungen sind auch die Klauen. Und das ist für die bis zu 800 kg schweren Vierbeiner besonders schmerzhaft.

Häufiger Grund für Erkrankungen der sensiblen Klauen ist der Stall: Die Tiere stehen auf Spaltenböden und allzu oft nicht trocken, sondern kommen mit ihrem eigenen Kot und Urin in Kontakt.

Wenn solche Entzündungen nicht richtig behandelt werden, kann sogar eine Klauenamputation notwendig werden. Doch aus Kostengründen werden die Tiere dann eher zum Schlachthof geschickt.

 

 

 

In Deutschland leiden derzeit 4,2 Millionen Milchkühe unter diesen Bedingungen. Allein 2016 wurden 1.336.380 dieser Tiere geschlachtet. Eine Kuh in Deutschland überlebt durchschnittlich gerade einmal 2,7 Laktationen und wird somit selten mehr als 5 Jahre alt. Dann sinkt ihre Milchleistung so weit, dass sie für die Produktion unrentabel wird.

Doch wofür das alles? Der Mensch kann bedenkenlos ohne die Muttermilch von Kühen leben. Und unter den zahlreichen pflanzlichen Alternativen, die mittlerweile in nahezu jedem Supermarkt erhältlich sind, ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Sie möchten Milchprodukte von Ihrem Speiseplan streichen? Melden Sie sich jetzt bei unserem kostenlosen Ernährungsprogramm Love Veg an! Dort erhalten Sie vier Wochen lang leckere Rezepte und Tipps für eine tierleidfreie Ernährung. Bei Fragen steht Ihnen unsere Kollegin Eva gerne zur Verfügung.

 

Weitere Quellen:

 
Eisenhuth, B. (2015): Hochleistungszucht bei Milchvieh. In: [w] wie Wissen (Das Erste).
Brade, W.; Huber, K.; Martens, H.; Hellwig, E-G. (2016): Göttinger Erklärung 2016 zur Milchproduktion.
 
Position: