Mitbegründer von Animal Equality hält Rede im Europäischen Parlament

Deutschland

Javier Moreno, einer der Mitbegründer von Animal Equality hielt gestern, am 26. Juni 2013 diese Rede im Europäischen Parlament in Brüssel, wo die internationale Kampagne "Stop Vivisection" vorgestellt wurde. Diese so dringend notwendige Initiative setzt sich für ein Ende von Tierversuchen in Europa ein, indem 1 Millionen Unterschriften gesammelt werden, die sich für ein europaweites Verbot von Tierversuchen einsetzen. Die Kampagne kann hier unterstützt werden: www.stopvivisection.eu/de

 

Die bewegenden Worte von Javier Moreno möchten wir niemandem vorenthalten:

"Guten Tag, mein Name ist Javier Moreno und ich spreche im Namen der internationalen Tierrechtsorganisation Animal Equality. Ich möchte mich bei dem Organisationskomitee für die Einladung bedanken und ich freue mich, dass ich heute hier sein darf um gemeinsam mit Vertretern anderer NGOs, WissenschaftlerInnen und PolitikerInnen über die Opfer der Tierversuche zu reden.

Die Initiative „Stop Vivisection“ zeigt, dass wir Bürger die politische und soziale Realität Europas mitgestalten können und die Möglichkeit haben sie zu verändern. Doch nicht nur das, viel mehr noch liegt es an jedem Einzelnen und jeder Einzelnen von uns wieder aktiv zu werden und die Politik in die eigene Hand zu nehmen, denn auf die Entscheidungsträger selbst können wir uns nicht mehr verlassen.

Ihre Aufgabe sollte es eigentlich sein die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger zu vertreten, die Realität sieht jedoch anders aus: die Institutionen scheinen handlungsunfähig und die Politiker sind lediglich Marionetten der Wirtschaftsmächte die ihre Interessen auf Kosten der Mehrheit durchsetzen. Und das nennen sie dann Demokratie. Sich diese Situation einmal bewusst zu machen ist der erste Schritt in Richtung Veränderung.

Wir von Animal Equality betreiben Öffentlichkeitsarbeit auf den Straßen und in sozialen Netzwerken, um die benötigte Anzahl von Unterschriften bis zum 1. November diesen Jahres zusammen zu bekommen und um eine Gesellschaft zu fördern, in der die Bürgerinnen und Bürger sich aktiv für die Belange von Tieren einsetzen.

Alle Umfragen zeigen, dass in unserer Gesellschaft das Bewusstsein für das Leid und die Notlage der Tiere wächst und tagtäglich solidarisieren sich mehr Menschen mit ihnen, um gemeinsam den unvorstellbaren Grausamkeiten die sich hinter den Mauern von Zoos, Bauernhöfen, Schlachthöfen oder eben Laboratorien, über die wir ja hier und heute sprechen wollen, ein Ende zu setzen.

Wir haben diese Welt zu einer wahren Hölle für Tiere gemacht. Und wir können ganz klar sagen, dass Tierversuche eines der größten von Menschen begangenen Verbrechen aller Zeiten ist. Ein Verbrechen das unbeschreiblich viel Leid und Tod verursacht hat. Die Zahlen sprechen für sich: 12 Millionen Todesfälle pro Jahr allein in Europa. Ja, ich spreche von dem Leid und dem Tod von Tieren. Tiere die genau wie wir leiden wenn sie geschlagen, verstümmelt, vergiftet, oder gezwungen werden giftige Substanzen zu sich zu nehmen. Tiere die genau wie wir das Leben genießen möchten. Und hier stoßen wir nun auf den großen Widerspruch von Tierversuchen: Wir rechtfertigen die Experimente mit Tieren indem wir argumentieren, dass sie so sind wie wir und die Ergebnisse solcher Versuche demnach auf den Menschen übertragbar sind, und verteidigen gleichzeitig all das Leid das wir ihnen zufügen mit der Begründung, dass sie anders sind als wir und somit nicht die gleiche Achtung verdienen.

Die Sichtweise, dass Tiere nur Maschinen ohne Gefühle sind, wurde schon vor Ewigkeiten als unwahr verworfen. Heutzutage sind sich die Wissenschaftler einig, dass Tiere eine ausgeprägte Gefühlswelt besitzen. Die meisten Tiere, die ausgebeutet werden, haben einen starken Überlebenswillen und sind sehr wohl in der Lage Angst, Hunger und Stress zu empfinden. Dennoch, trotz all dieser Beweise, das Paradigma bleibt.

Wir reden hier von einem moralischen Betrug, wobei immer mehr Stimmen in der wissenschaftlichen Welt, wie die die heute hier anwesend sind, von einem wissenschaftlichen Betrug sprechen und dafür auch genügend Beweise liefern. Ich möchte mit Nachdruck auf den ethischen Scheideweg aufmerksam machen dem sich die Tierversuche nun konfrontiert sehen. Wir alle wollen, dass die Wissenschaft Fortschritte macht und eine bessere Welt schafft, aber nicht auf Kosten des Leides und des Todes der einen für den angeblichen Nutzen von anderen. Diesen Schutz den wir uns selbst zugesichert haben, müssen wir auch anderen Tieren mit denen wir uns den Planeten teilen zusichern. Aus dem einfachen Grund weil wir gemeinsame Interessen besitzen: Unversehrtheit und das Recht darauf unser Leben in Freiheit genießen zu können.

Wenn es wichtig ist, dass wir wieder aktiv daran teilnehmen, diese Gesellschaft zu verändern, dann ist es noch dringlicher den Tieren die keine Stimme haben, sich nicht organisieren und nicht rebellieren können eine Stimme zu geben und eben genau das für sie zu tun. Die Tiere sprechen vielleicht nicht unsere Sprache, aber wenn wir nur eine Sekunde innehielten und hinhörten, würden wir ihre Hilfeschreie hören. Das ist es, was die Tierrechtsbewegung und andere Befreiungsbewegungen antreibt: die Schwachen vor den Starken zu beschützen und denjenigen zu helfen die unterdrückt werden. Empathie, Solidarität und Gerechtigkeit.

Zum Schluss meiner Rede möchte ich einen Moment mit Ihnen teilen, einen ganz besonderen Moment, der für mich ein historischer war im Kampf gegen Tierversuche und der uns zeigt, dass eine andere Welt möglich ist, eine Welt die wir selbst erschaffen können wenn wir nur den Willen dazu haben. Alle hier Anwesenden werden sich wahrscheinlich noch gut an die Bilder vom 28. April 2012 erinnern können, als Anti-Vivisektion AktivistInnen in Italien über die Zäune von Green Hill sprangen, um die Beagles zu befreien, die sich dahinter befanden.

Diese erhobenen Hände, die die Hunde über die Zäune hoben und sie befreiten, werden wohl immer in unserem kollektiven Gedächtnis bleiben. Diese Hände repräsentieren unseren Kampf. Befreiende Hände, die Gerechtigkeit für alle Tiere fordern.

Ich hoffe, dass diese Tat uns ermutigt und darin bestärkt nicht nachzulassen, sondern weiter für diese Welt, die wir in unseren Herzen tragen, zu kämpfen. Auf dass „Stop Vivisection“ ein weiterer Schritt in diese Richtung sein wird!

Vielen Dank."