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Milch

 

Muntere Kälber, grasende Kühe, duftende Wiesen – kaum eine "Nutztierhaltung" ist so sehr mit idyllischen Bildern aufgeladen wie die Milchindustrie. So bleibt die Wahrheit zumeist im Dunkeln: wie sehr auch in Deutschland Kühe und Kälber für Milch, Butter und Käse leiden.

 

Kein Kälbchen, keine Milch

Wie jedes Säugetier gibt eine Kuh nur dann Milch, wenn sie ein Junges zur Welt gebracht hat. Im Jahresrhythmus wird deswegen eine Milchkuh aufs Neue geschwängert, meistens durch künstliche Besamung. Neun Monate lang wächst das Kalb in ihrem Bauch heran – wie beim Menschen. Doch da die Milch ausschließlich für den menschlichen Konsum bestimmt ist, wird der Mutterkuh das Kalb in der konventionellen Milchwirtschaft nach der Geburt weggenommen: oft schon nach wenigen Minuten, stets jedoch am selben Tag.

 

Traumatische Trennung

Nach neun Monaten Trächtigkeit ist der gesamte Organismus einer Kuh auf die Mutterrolle eingestellt. Umso größer ist der Schmerz der Trennung: Wie die Verhaltensforschung weiß, sind Kühe gleichermaßen aufmerksame wie beschützende Mütter, die ihre Kälber unter natürlichen Umständen kaum aus den Augen lassen. Viele Kühe rufen über Stunden oder sogar Wochen dem Neugeborenen hinterher, nachdem es ihr sofort weggenommen wurde. Oft darf das Kalb nicht einmal das Kolostrum, die sogenannte Biestmilch, an den Zitzen der Kuh trinken. Sowohl bei Mutter – als auch bei Jungtieren kann diese Trennung zu tiefer Verstörung führen, die bis zu mehreren Wochen anhält.

Seine ersten Lebenswochen verbringt das Junge in einer sogenannten Kälberbox oder in einem Kälberiglu. Mütterliche Zuneigung bleibt dem Kalb hier ebenso verwehrt wie die Möglichkeit, mit Artgenossen zu spielen. Erst ab einem Alter von acht Wochen ist in Deutschland eine Gruppenhaltung für Kälber vorgeschrieben.

 

Zur Höchstleistung gezüchtet

Durch Zucht zum Extrem hat sich die Melkmenge der modernen Rinderrassen kontinuierlich gesteigert: Ihre Körper und Euter sind auf Höchstleistung getrimmt. Vor 100 Jahren kam eine Milchkuh auf weniger als 2000 Liter Milch pro Jahr. In den 1950ern wurden „Spitzentiere“ gefeiert, die es auf 6000 Liter schafften. Heute „produziert“ eine Milchkuh in Deutschland durchschnittlich 7746 Liter. Hochleistungstiere jedoch geben sogar rund 10.000 Liter, manche sogar bis zu 15.000 Liter pro Jahr. Bekanntestes Beispiel ist das Holstein-Rind: schwarz-weiß gefleckt und mit überproportional großem Euter wurde es weltweit zum Synonym für die moderne Milchindustrie.

 

Trostlose Haltung

Ausführliches Grasen und Wiederkäuen, Laufen auf Wiesen und Ruhen auf weichem Grund entspräche dem Verdauungs- und Bewegungsapparat von Rindern. Die deutsche Nutztierhaltung schränkt die Voraussetzungen dafür jedoch immer weiter ein. Nicht einmal 42 Prozent der Milchkühe haben je Zugang zu Weiden. Dieser Freigang ist im Schnitt wiederum auf nur fünfeinhalb Monate im Jahr begrenzt. Die anderen Milchkühe bleiben während ihres gesamten Lebens im Stall. Etwa 72 Prozent verbringen ihre Tage in Laufställen, zumeist mit Liegeboxen. Zwar sind diese Ruheflächen mit Gummibelägen, seltener mit Einstreu versehen. Doch auf den Laufflächen stehen die Tiere oft auf bloßen Spaltenböden: also Betonböden, deren Betonstege sich mit Spalten abwechseln, sodass Kot und Urin nach unten durchfallen können.

In den meisten Ställen ist es eng: Zwischen 50 und 99 Tiere sind die Norm für deutsche Betriebe. Nur etwa vier Quadratmeter Fläche haben die bis zu 750 kg schweren Milchkühe in den Laufbereichen durchschnittlich Platz. Noch enger ist es für die Tiere jedoch in Anbindehaltung, in der vor allem in Süddeutschland noch ca. 27 Prozent der Milchkühe leben. Da die angeketteten Tiere keine Ausweichmöglichkeiten haben, liegen sie hier oftmals im eigenen Kot. Obwohl der Bundesrat ein Verbot der Anbindehaltung angestoßen hatte, ist diese in Deutschland nach wie vor erlaubt.

 

Das Schicksal der Kälber

Statt Muttermilch bekommen die Kälber einen sogenannten Milchaustauscher, der für gewöhnlich zwischen 20 und 35 Prozent Magermilchpulver enthält. Um Verletzungen untereinander und gegenüber Menschen zu vermeiden, werden die Kälber häufig schon im Alter von weniger als sechs Wochen enthornt. Dies geschieht durch Ausbrennen und ohne Betäubung: ein schmerzhafter Vorgang, da in den Hornanlagen zahlreiche Nerven und Adern liegen.

Die weiblichen Kälber erwartet dann dasselbe Schicksal wie das ihrer Mütter. Ab Geschlechtsreife werden sie Jahr für Jahr geschwängert – und anschließend von ihren Kälbern getrennt.

Männliche Kälber hingegen sind für die Milchindustrie nichts weiter als wertloses Nebenprodukt: Die auf Milchleistung gezüchteten Rassen setzen kaum Fleisch an. Laut NDR-Recherche liegt die Investition in die Aufzucht eines Kalbs für den Landwirt bei über 100 Euro. Doch der Verkauf eines etwa zwei Wochen alten Bullenkalbs bringt nur ca. 60 bis 80 Euro ein, in manchen Regionen Deutschlands sogar noch weniger. Da der Gewinn mit den kleinen Bullen also weit unter Aufzuchtkosten liegt, stößt ihre Geburt bei Milchbauern auf wenig Gegenliebe. Und auch zu schlechterer Versorgung: So zeigt z.B. der Jahresbericht 2014 des Landeskontrollverbands Schleswig-Holstein, dass dort ca. sieben Prozent der männlichen Kälber schon während oder kurz nach der Geburt starben. Anders die weiblichen: Hier lag die Sterblichkeit “nur” bei etwa drei Prozent.

 

Krankheiten und Gebrechen

Fünf Jahre wird eine Milchkuh in Deutschland im Durchschnitt alt – während ihre Lebenserwartung bei bis zu 25 Jahren liegen könnte. Doch die wiederholten Schwangerschaften und die abgeforderte Milchleistung bedingen, dass die Körper der Tiere schnell ausgezehrt sind. Zusätzlich führen Haltungsbedingungen und Hochleistungszucht zu typischen Krankheitsbildern. Besonders häufig kommt es zur Mastitis, einer schmerzhaften Infektion der Milchdrüsen. Durch die Spaltenböden verletzen sich viele Tiere an Gelenken und Klauen, die Melkmaschine führen zu Verletzungen des Euters.

 

Tod im Schlachthof

Wenn die Gebrechen überhand oder nach meist fünf Lebensjahren die Milchleistung zurückgeht, treten auch Milchkühe denselben letzten Gang an wie die Rinder in der Fleischindustrie: zum Schlachthof. Mehr als 1,2 Millionen Kühe finden jährlich in Deutschland auf diese Weise ihr Ende: Per Bolzenschuss betäubt, zieht eine Kette die Kuh in die Höhe. Ein Schnitt durch die Halsschlagader führt zum Entbluten, dieses wiederum letztlich zum Tod. Wenn sie nach dem Transport das Schlachthaus erreichen, sind die Tiere manchmal zu erschöpft, um zu stehen. „Downer“-Kuh wird ein solches Tier genannt, „Krankheit“als Festliegen bzw. Milchfieber bezeichnet.

Bei etwa 200.000 Rindern kommt es jährlich in Deutschland zu Fehlschüssen mit dem Bolzenschussgerät. Die Tiere erleben die folgenden Schritte des Schlachtens dann bei vollem Bewusstsein mit. Laut einer Studie der Universität Hamburg landen außerdem mehr als zwei Prozent trächtige Kühe beim Schlachter, eine Pilotstudie mit Blick auf 53 deutsche Schlachthöfe kam laut BR sogar auf eine Zahl von bis zu zehn Prozent. Teilweise sind sie schwanger mit Kälberföten, die bereits weit entwickelt oder sogar schon lebensfähig sind. Nach der Betäubung der Mutter ist das Kalb zu einem bis zu 20 Minuten langen Todeskampf durch Ersticken verurteilt. Nachdem das Problem jahrelang Gegenstand politischer Diskussion war, wird ein Schlachtverbot für hochschwangere Tiere voraussichtlich erst ab Herbst 2017 gültig sein. Ausnahme: Schafe und Ziegen.

 

Milch und Gesundheit

Nach wie vor gilt Milch in Deutschland als ein Grundnahrungsmittel. Erheblichen Anteil daran haben die offensiven Werbekampagnen der Milchindustrie, die ihr Produkt als beste Quelle von Kalzium anpreist. Doch seit Jahren ist eine medizinische und ernährungswissenschaftliche Kontroverse darum entbrannt, ob Milch wirklich gesund ist. Die Forschung macht deutlich: Milch ist für unsere Gesundheit nicht notwendig, vielleicht sogar kontraproduktiv. Zum Beispiel können wir unseren gesamten Kalziumbedarf mit anderen Lebensmitteln decken. Blattgemüse, Grünkohl, bestimmte Bohnenarten, Brokkoli, angereicherte Sojamilch oder Tofu, getrocknete Feigen, Sesamkörner, Tahin oder Melasse sind nur einige Möglichkeiten.

 

Kuhmilch ersetzen

Sie möchten weiterhin Milch trinken, aber nicht zum Leid und Tod der Milchkühe beitragen? In jedem Supermarkt finden Sie eine große Auswahl von Milchsorten auf pflanzlicher Basis. Ob Soja- oder Hafermilch, Mandel-, Reis- oder Cashewmilch – all diese Varianten lassen sich genauso gut oder sogar besser als Kuhmilch in Tee, Kaffee, Müsli oder als Kochzutat für Saucen, Kuchen usw. verwenden. Beim Einsatz in der Küche gibt es nichts zu beachten; im traditionellen Rezept wird lediglich Kuhmilch durch tierfreundliche pflanzliche Milch ersetzt. Butter lässt sich ebenso leicht durch viele verschiedene Margarinesorten austauschen. Es gibt auch einige vegane Käsesorten, die man in Reformhäusern oder Versandhäusern erhalten kann.

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Weitere Quellen: